Bis zu 15.000 Euro gibt‘s pro Wohneinheit geschenkt

Mittwoch, Oktober 26, 2016

Martin Kutschka im Interview zur Bezahlbarkeit von Neubauten

Bis zu 15.000 Euro gibt‘s pro Wohneinheit geschenkt

Fördermittel sind in in Millionenhöhe vorhanden. Und jeder hat ein Recht darauf, doch kaum jemand weiß das.

Beim Kindergeld greift jeder zu: Wer Kinder hat, sorgt dafür, dass jeden Monat der Zuschuss vom Staat überwiesen wird. Kinder sichern die Zukunft. Genau wie energieeffizientes und deshalb auch umweltschützendes Bauen. Auch dafür gibt es Zuschüsse. Vielleicht sind es sogar zu viele, so dass man als Laie schnell den Überblick verliert. Wer diesen Überblick nie verloren hat, ist der Frankfurter Energieberater Martin Kutschka, Gründer des Deutschen Energieberater Netzwerkes. Ronny Meyer, Herausgeber von  BESTE BAUTIPPS traf sich mit ihm zum Interview.

Erster Jahresrückblick - Der energetische Standard, den die Energieeinsparverordnung (EnEV) vorschreibt, wurde zum 1. Januar 2016 um 25 % verschärft. Ist Bauen seit dem noch bezahlbar?

Kutschka: Ja! Abgesehen davon baut heute doch ohnehin jeder vernünftige Mensch energieeffizient. Keine Frage – trotz Verschärfung der EnEV bleibt das Bauen bezahlbar, zumal höhere Baukosten mit niedrigen Zinsen, Zuschüsse und gerin-geren Energiekosten abgefedert werden. Eines sollte sich jeder Bauherr klar machen: Wer nicht energieeffizient baut, macht sich von hohen Energiepreisen abhängig. Denn auch wenn diese in jüngster Vergangenheit gefallen sind, so sind sie über die Jahrzehnte im Mittel um rund 5 % pro Jahr gestiegen. Vielleicht wird es erst in ein, zwei oder drei Jahren wieder mit den Energiepreisen nach oben gehen. Eine Garantie für langfristig stabile Energiepreise kann wohl niemand abgeben.

Das KfW-Effizienzhaus 70 ist jetzt Standard und wird seit Jahresbeginn nicht mehr gefördert. Wenn Sie heute neu bauen würden: Welchen Standard würden Sie für sich wählen?

Kutschka: Ich würde mich ganz klar für ein EnergiePlusHaus entscheiden, also ein Haus, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Das ist vom Prinzip her einfach zu bauen. Man muss nur die Gebäudehülle und die Haustechnik mit den heutigen Möglichkeiten der alternativen Energieerzeugung kombinieren – wie etwa der Photovoltaikanlage auf dem Dach oder dem eigenen Blockheizkraftwerk im Keller. Jeweils in Kombination mit einem Strom-speicher. Diese Technologie hat im vorigen Jahr entwicklungsmäßig einen großen Sprung nach vorne gemacht.

Man hört inzwischen häufiger, dass man sogar das eigene Elektroauto an die Photovoltaikanlage anschließen kann.

Kutschka: Ja, das ist keine Zukunftsmusik mehr. Jetzt endlich steht uns die Tür offen, dass Immobilien nicht nur zunehmend auch Energieproduzenten sind, sondern sie können künftig über die Ladestationen sogar so eng mit dem Auto verknüpft werden, dass der Überschussstrom entweder für die eigene Mobilität genutzt wird oder dem Auto-Stromspeicher dann wieder entzogen wird, wenn man ihn im Haus braucht und das Auto nicht genutzt wird.

Sie sind auch der Erfinder der Fördermitteldatenbank foerderdata.de. Bei Fördermitteln gibt es häufig Änderungen. Was muss man aktuell wissen?

Kutschka: Beispielsweise entfiel zum 01.April 2016 aufgrund des neuen, höheren EnEV-Standards das bisher am häufigsten geförderte KfW-Effizienzhaus 70. Dafür hat die KfW die Fördermittel für die KfW-Effizienzhäuser 55 und 40 verdoppelt – von bisher 50.000,- €  auf 100.000 ,- € pro Wohneinheit, die es als zinsgünstiges Darlehen mit einem Zinssatz von niedrigen 0,75 % pro Jahr gibt – plus Tilgungszuschüsse in Höhe von 5 % beim Effizienzhaus 55 und 10 % beim Effizienzhaus 40. Obendrein wird dann für die 20- und 30-jährigen Kreditlaufzeiten eine 20-jährige Zinsbindungsvariante eingeführt.

Neu in 2016 ist die Förderung „Effizienzhaus 40 Plus“ mit einem Teilschuldenerlass von 15 %, also bis zu 15.000,- € pro Wohneinheit. Plus weitere Zuschüsse für Batteriespeicher und netzdienliche Photovoltaikmodule. Manche Bundesländer drehen zusätzlich noch den Geldhahn auf: Ich denke da beispielsweise an den EnergieBonusBayern: 9.000,- € Zuschuss pro Wohneinheit. Ich kann nur sagen: Leute, ran an den Speck!

Fazit des Gesprächs: Die Rahmenbedingungen fürs eigene Haus sind heute besser denn je. Niedrigzinsen, Zuschüsse und technische Lösungen, die sich seit Jahren bewährt haben, bieten eine optimale Basis.

Quelle: BESTE BAUTIPPS –  Was man heute übers richtige Bauen wissen muss

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